Donnerstag, 27. Dezember 2012

Mein erstes Mal...

... mit der BMW und dann gleich im Regen... oder der Tanz auf rohen Eiern!
Wie versprochen gibt es noch zum letzten Post etwas bewegtes Bildmaterial.
Sichtverhältnisse waren echt katastrophal. Aber egal, was nimmt man nicht alles fürs erste Podium in Kauf.
Spätestens von da an war meine Regen-Phobie geheilt.


Viel Spaß beim "Gugge"!




Samstag, 22. Dezember 2012

Grande Finale

Zugegeben, das Schreiben kam hier in den letzten Wochen und Monaten viel zu kurz. Zu sehr hat mich Familie und Beruf eingenommen und ermöglicht es mir erst jetzt so kurz vor Weihnachten noch ein paar abschließende Zeilen zum Jahresende zu schreiben.


Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, die aprilia musste weichen und der Rest der Saison war mit der neu angeschafften BMW zu bestreiten. Da nicht nur eine motorrad- sondern auch eine teamtechnische Veränderung für die zweite Hälfte der Saison vorlag, ging es am 25.08.2012 für den 3. Meisterschaftslauf und somit den 18.ADAC/DMC Reinoldus Sprint mit dem Panigale Racing Team zum Nürburgring.
Leider konnte an diesem Wochenende familär bedingt Andi nicht mit vor Ort sein. Da sich für den Rennsonnatg reichlich Regen angekündigt hatte, musste ich bei Cafe naturgemäß nicht besonders viel Überzeugungsarbeit leisten.
Hatten wir Samstags bei dem ganzen Prozedere noch sehr schönes Spätsommerwetter, so hingen die Regenwolken am Tag des Rennens sehr tief und pünktlich zum Training fielen auch schon die ersten Tropfen.
Und auch an diesem Tag ließ es sich die Eifel nicht nehmen eine ganz eigene Wettergeschichte zu schreiben.
Waren freies Fahren und Qualifikation noch sehr geprägt von einer deutlich nassen Fahrbahn, trocknete diese pünktlich zum Rennstart ab. Die tiefhängenden Wolken blieben. Dennoch gingen alle Teams mit Trockenreifen ins Rennen. Startfahrer für uns war Hagen, der unseren mäßigen Startplatz 13 in den einstelligen Bereich führen sollte.


Kaum hatte ich beim Start die Panigale in Hagens Hände übergeben, machte es auch schon flatsch. Regentropfen, von oben, ganz viele und gar nicht mal klein, sorgten dafür, dass nach nicht einmal zwei Runden schon wildes Chaos in der Boxengasse ausbrach.


Wir waren vorbereit! Betti (meine BMW) stand noch mit Slicks bereift da, Ralfs Panigale war schon mit Regenreifen ausgerüstet. Also ging es für Ralf schon nach zwei Runden und der Übergabe des Transponders raus. Der Wechsel ging wie gewohnt sehr zügig, so dass auch schon einige Plätze gut gemacht werden konnten. Hagen übergab auf Platz 12 liegend an Ralf. Dieser war an diesem Tag und bei diesen Bedingungen in bestechender Form. Eines vorab, der Regen ließ während des Renngeschehens nicht mehr nach und die Frage nach den richtigen Reifen war für uns an diesem Tag kein Thema mehr. Platz 8, Platz 7, zur Mitte von Ralf´s Turn war es schon Platz 5 und als er an mich übergab, lagen wir doch auf einem unglaublichen 4. Platz.
Auf so einem Platz liegend, war der Druck für mich enorm. Bloß nicht fallen und bloß nicht die fahrende Schikane für den Rest des Feldes sein. Gute Vorsätze, aber bei diesen Bedingungen? Kurz vorm Aufsetzen des Helms entlässt mich Cafe mit den Worten: "Ich hab ne super Idee: Fahr raus und tritt den anderen in den Arsch! Du machst das schon, heute ist Euer Tag!" Warum auch immer, aber Cafes Worte sind beruhigend und Ansporn zugleich. Ok, also raus und mal schauen, ob die Performance mit der BMW ähnlich ist wie mit der aprilia. Und ja, und auch mit diesem Motorrad lag mir das Fahren im Regen sehr gut. SO gut, dass ich erst nach fast 70 Minuten wieder die Box zur Übergabe an Hagen ansteuerte. Waren die Bedingungen noch so ekelhaft, fand ich aber auch dabei meinen Spass. In dieser Zeit gelang es mir 65 mal zu überholen und 8 mal überholt zu werden (das ergab die Videoauswertung = Video wird auch noch irgendwann online gestellt). So wurde auf Platz 5 liegend der Transponder an Hagen übergeben.

War das nass! Da habe sogar ich im Sommer gefroren.
Dieser fuhr einen unspektakulären Turn und konnte die Position halten. Danach zeigte Ralf noch einmal wie es im Regen geht und fuhr uns wieder auf Platz 4 vor und hielt diesen bis zur Übergabe an Hagen. Ich sollte für das Team den letzten Turn des Rennens fahren. Dazu kam es jedoch nicht mehr. So ziemlich zum Ende von Hagens Turn und einer Renndauer von ca. 5 Stunden und 15 Minuten verteilte ein Mitstreiter jede Menge Öl auf der Strecke gefolgt von einer langen Gelb-Phase, was die Rennleitung zunächst zur Unterbrechung des Rennens brachte. Zuvor stürzte ein Fahrer des auf Platz 2 liegenden Teams und bescherte uns damit den 3. Platz.
Nun standen wir da, in der Box wartend. Da die Entscheidung der Rennleitung nicht abzusehen war, bereitete ich mich in aller Ruhe auf den letzten Turn vor. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Da es aus Sicherheitsgründen und den vorliegenden Witterungsverhältnissen nicht möglich gewesen wäre in absehbarer Zeit die Strecke vom Öl zu befreien, entschied die Rennleitung auf Abbruch des Rennens und damit das Rennende. Unfassbar, 3. Platz! Wahrscheinlich ist es die Geschichte meines Lebens, von der ich in 40 Jahren meinen Enkeln erzählen werde. Aber mich hat dieses Ergebnis so umgehauen, dass  ich es an diesem Tag definitiv nicht verstand, was da passierte. Darauf war ich einfach nicht vorbereitet. Nicht auf Platz 3, nicht aufs Podium Podium, nicht an diesem Tag und nicht bei diesen Umständen. 3. Platz in der Gesamt- und Klassenwertung, unfassbar! Entsprechend deplatziert kam ich mir bei der Siegerehrung auf der Tribüne vor. Sonst standen da immer andere und ich dachte mir immer: "Irgendwann stehst Du auch mal da oben, irgendwann...."
Krasse Sache, so richtig verstanden habe ich es bis heute noch nicht.



Aber auch Ralf und Hagen, sonst recht erfolgsverwöhnt, haben an diesem Tag nicht mit diesem Ergebnis gerechnet. Entsprechend zufrieden waren die Gesichter in der Box und das anschließende Essen beim Italiener war umso schmackhafter.

Saubere/ nasse Teamleistung:



Natürlich war das noch nicht alles, einen habe ich noch.
In identischer Konstellation ging es zum letzten Lauf des RL-Cup. War das Wetter beim vorherigen Rennen noch so schlecht (für uns gut), durften wir den Nürburgring zum Abschluss der Saison noch einmal von seiner schönsten Seite erleben.

Gestartet sind Ralf, Hagen und ich mal wieder als 13. ins Rennen. Erklärtes Ziel war es in diesem sehr starken Teilnehmerfeld in die Top 10 zu fahren.
Um es kurz zu machen:
Es war ein Rennen ohne Aufreger (mal abgesehen von Ralfs Spritmangel eingangs Boxengasse) oder dergleichen.

Die perfekte Transponderübergabe:


Auch die von uns gefahren Rundenzeiten waren sehr vernünftig (2:10 - 2:13) und hätten uns vor zwei Jahren auf  Podestplätze gebracht. Am Ende kam ein schwer erarbeiteter 10. Platz raus. Somit hatten wir unser Ziel erreicht und ein versöhnliches Saisonende gefunden.

Scheiß auf Wolle Petry: Von wegen Bronze, Silber und Gold habe ich nie gewollt!
Jetzt habe ich Blut geleckt! ;-)
Wir waren sehr zufrieden, nur Carlchen nicht!

Und weil es schon mal so gut lief, entschied ich mich noch meinen persönlichen Saisonabschluss einzuleiten.
Anfang Oktober nahm ich in Hockenheim nochmals an einem Renntraining von Speer teil mit abschließenden und letzten Regio Cup-Lauf für 2012. Leider machte an diesem Tag uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, da fast alle 30 Minuten sich die Streckenbedingungen änderten. Deshalb entschied sich der Veranstalter das abschließende Sprintrennen ausfallen zu lassen, war die Reifenfrage doch mehr als heikel. Mit der Vernunft von heute war dies die richtige Entscheidung, auch wenn ich für das Rennen Startplatz 8 rausgefahren habe und sicherlich noch Luft nach oben war. Egal, schön war aber auch an diesem Tag Jörg #33 kennen zu lernen und die "aprilia-Brothers" Marvin und Kevin wieder zu treffen. Einfach coole Typen!


Noch dazu eine schöne Anekdote zum Thema "Racer sind die besseren Menschen":
Mit in der Box bei dieser Veranstaltung war der noch sehr junge Abiturient Timo und seine Triumph Daytona 675. Unbeabsichtigt hat er beim Zusammenpacken der Sachen und Verlassen der Box einen Dreifachstecker eingepackt. Mir wäre das gar nicht aufgefallen. Einen Tag später habe ich eine SMS von ihm, mit der Bitte ihm meine Adresse mitzuteilen, dass er mir diesen zusenden kann. Darüber habe ich mich sehr gefreut, aber nicht über den Stecker sondern vielmehr über die Tatsache, dass Zynder so aufrichtig sind, unabhängig davon ein wirklich netter Kerl.

Auch wenn zwischenzeitlich die BMW verkauft wurde (mal wieder ein sehr gutes Angebot bekommen) und es noch keine konkrete Planung für 2013 gibt, sind es die Geschichten wie zuvor, die mich dazu bewegen diesen Sport, diesen "Way of Life" nicht aufzugeben.

Zum Ende des Jahres möchte ich noch ein paar Worte des Dankes los werden.

Vielen Dank an:

- den vielen regelmäßigen Lesern für die aufmunternden Worte den Blog stets aktuell zu halten,
- Flyhammer für den tollen Teilesupport für die aprilia,
- Motorrad Klein in Dillingen für die fachmännische Betreuung der aprilia,
- Roland Matthes von WSC Neuss,
- Dinner Moto für die erstklassige Ausstattung mit Reifenwärmern und Aufklebern,
- ATC Racingparts für diverse Klein- und Großteile,
- Motorsport Dietrich für die zuverlässige Berlieferung und Beratung für "schwarze Gold",
- Ducati Moto Mittrach für die Unterstützung, trotz markentechnischem Fremdgehen,

- dem Panigale Racing Team für die einmalige Chance,
- Andi, für seine Backkreaturen und einfach für seine tolle Unterstützung menschlicher und fachlicher Natur,
- Cafe, weil er einfach an mich glaubt (und das nun schon im 3. Jahr) und stets da ist.

Meinen Frauen! Danke, dass Ihr mir diese Saison trotz schwieriger Umstände ermöglicht habt.
Ihr seid die Besten und in 2013 mit unterwegs auf der Jagd nach Pokalen und Ruhm.

Eine schöne, lehrreiche und erfolgreiche Saison 2012 geht zu Ende.

Fast vergessen,
Motto für 2013:

Ein Pokal ist nie genug!

Ich freu mich drauf...







Mittwoch, 15. August 2012

Sag zum Abschied leise "Tschüss"!

Nun war es also soweit!
Wie bereits angekündigt, wollten Klaus und ich das 6h-Rennen am 22.07. unter die Räder nehmen.
Hierzu traf ich mich am Vorabend des Rennens mit dem mir bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannten Klaus, seinem Filius und seiner Filia, um gemeinsam den notwendigen Papierkram zu erledigen.
Schnell war klar, dass wir menschlich auf einer Wellenlänge lagen. Damit war schon mal eine gute Grundlage geschaffen, um am Folgetag einen schönen und relaxten Tag auf der Rennstrecke zu verbringen.
Im Bewusstsein das Rennen zu zweit bestreiten zu müssen, war auch das gemeinsame Ziel schnell definiert. Spaß haben, nicht Stürzen/Umfallen (darauf gehe ich später näher ein) und auch nicht Letzter werden. 
Also alles wie gehabt! Sollte man zumindest meinen...

... und wie sich dann auch im Folgenden zeigen sollte, gab es dann doch den ein oder anderen Aufreger. 

Nach erfolgter Dokumenten- und der technischen Abnahme (von mir absofort Motorrad-Catwalk genannt),
wurde das Bett gerichtet. Dieses mal verzichtete ich auf den Luxus im Wohnwagen zu schlafen und ließ mich auf das "Abenteuer" im Bus zu schlafen ein. Man hat mir wohl meinen Hunger angesehen, denn freundlicherweise wurde ich vom Panigale Racing Team (ehemals Moto Mittrach Racing Team und ebenfalls in Box #17) zum Futtern eingeladen. 
Mal wieder typisch für mich:
Zuhause an alles fürs Fahren auf der Rennstrecke gedacht, aber das Essen habe ich vergessen.

Mit vollem Bauch und dank einer mollig warm machenden Standheizung ließ es sich dann auch gut schlafen.


Entgegen dem letzten Rennen am 08.07. küsste uns die Eifel am Tage des Rennens mit einem Sonnenschein wach. Kurzum, wir hatten Wetter für Kaiser und Könige!

Hier mal ein paar Impressionen von diesem sehr schönen Morgen:


Ja, so schön kann das Wetter am Nürburgring sein! :-)

Da auch an diesem Tag überall das Stroh an der Strecke lag wo es liegen sollte, konnte das Renngeschehen auch gemäß der Planung seinen Lauf nehmen. Demnach wurden in aller Ruhe die Vorbereitungen für die Prüf- und Einstellfahrten = freies Training vorgenommen und noch stressfrei einen Kaffee inhaliert.

Also raus und die ersten Runden zum Einrollen genutzt. Schon hier sah ich mich allerdings mit einem Problem konfrontiert, dass ich bisher so nie kannte und mich bis zur Hälfte des Rennens weiter vor Herausforderungen stellte. Allein in den ersten drei Rund war ich nicht in der Lage Ende Start/Zielgerade die aprilia ausreichend in ihrer Geschwindigkeit zu reduzieren, so dass ich immerwieder den Notausgang wählen musste. Nach drei Runden habe ich mich zumindest dieser Situation mit früheren Bremspunkten und einer Lernkurve eines Schimpansen angepasst, aber verstanden habe ich es nicht so wirklich. Im Glauben, dass das Bremsen eher zu meinen Stärken zählt, steuerte ich nach ca. 30 Minuten die Box etwas irritiert an.
Einen weiteren Versuch wollte ich dann während des Trainings dann nicht mehr starten, galt es doch in Erwartung eines langen Rennens mit den eigenen Kräften sparsam umzugehen. Mit der Absicht von Klaus an seinem Motorrad noch für das Rennen Veränderungen vornehmen zu wollen, einigten wir uns darauf, dass ich für uns in der Qualifikation unser Glück versuchen sollte.
Mit dem Messer zwischen den Zähnen ging es dann in den Kampf um den besten Startplatz, leider für mich nur sehr kurz. Bereits in der zweiten Runde und mit unveränderten Problemen auf de Bremse war ich gefühlt viel zu schnell für die Umkurvung Dunlop-Kehre, und hielt in der Hoffnung die Fuhre noch zum Stehen zum Bringen den eingeschlagenen Steuerkurs 12 Uhr. Selbst der Einsatz der blockierenden Hinterradbremse änderte nichts am Ergebnis wenige Meter später einen tiefen Graben ins Kiesbett zu ziehen und kurz vor dem Stehenbleiben umzufallen. Sau dämlich! Da lag ich nun. Da es erst die zweite Runde war, konnten wir zu diesem Zeitpunkt keine gezeitete Runde aufweisen was in letzter Konsequenz bedeutet hätte nicht an den Start gehen zu dürfen. Also, kurzes Abwägen der Möglichkeiten und den Entschluss getroffen zumindest samt Motorrad den Transponder in die Box zu fahren und an Klaus zu übergeben. Kurzer Blick aufs Motorrad (nachdem die Streckenposten Krad und Sportler aus dem Gefahrenbereich entfernt haben), schnelle Offroadeinlage durch das Kiesbett und schon befand ich mich wieder die Box ansteuernd auf dem asphaltierten Band. Dort angekommen hatte Klaus seine Veränderungsmaßnahmen abgeschlossen und konnte uns zumindest eine gewertet Runde rausfahren. Das war das erklärte Ziel und deshalb war es dann auch nicht weiter tragisch, dass wir dann von Startplatz 53 (54 Teams) ins Rennen starteten.
Auch die aprilia konnte nach ausgiebiger Begutachtung von Andi und Cafe ins Rennen gehen, da diese Entwarnung gaben und nichts bei diesem Umfaller in Mitleidenschaft gezogen wurde. Lediglich optische Schäden waren leider zu verzeichnen.
In großer Vorfreude das Feld von hinten aufrollen zu können, wurden alle Startvorbereitungen dann abgeschlossen und die Startposition eingenommen.

Auf mein vermeintliches "Bremsproblem" hatten wir aber bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Antwort. Dieses sollte auch unmittelbar nach dem Start bei mir für erhöhten Puls sorgen und ein Wiedersehen mit den Streckenposten in der Dunlop-Kehre ermöglichen.
Da Bilder manche Dinge einfach besser erklären, hier das Video zur Startphase des Rennens:


Mit dem Ende meines ersten Turns und der Übergabe an Klaus standen wir dann auf Platz 30. Im Zuge dieses "long runs" konnte dann auch mein Bremsenproblem eingegrenzt werden. Um eine gewisse Serienstreuung der Bremsbeläge ausschließen zu können, wechselte Cafe die Bremsbeläge und Andi nahm Veränderungen an Gabel und Federbein vor, da ich auch das Bremsenproblem in einem sehr unruhigen Heck begründet sah. Beide ergriffenen Maßnahmen erwiesen sich im weiteren Verlauf als goldrichtig. Von da an konnte sorgenfrei für den Rest des Rennens am Kabel gezogen werden.


Im weiteren Verlauf des Rennens pendelte sich dann unsere Platzierung irgendwo zwischen 35 und 45 ein und Klaus und ich kamen reichlich zum Fahren.
Aber mit zunehmender Renndauer fiel es mir deutlich schwerer aufs Motorrad auf- und abzusteigen. Auch hierbei halfen Andi und Cafe mit ganzem Körpereinsatz. Auf dem Motorrad sitzend waren dann sämtliche Schmerzen vergessen und im Fokus lag ausschließlich die Rennstrecke. In den Tagen danach waren dann die Schmerzen umso gefühlsechter. Klaus ging es wohl ähnlich. :-) Genug gejammert, wir wussten ja auf was wir uns einlassen.

Klaus im Race-Einsatz

Mit der Erfüllung der eigenen Vorgaben vor den Augen näherten wir uns in sehr unaufgeregter Art und Weise dem Rennende entgegen. Letztendlich wurden alle Ziele erfüllt. Zu zweit haben wir die 6 Stunden gemeister, kamen nicht als Letzte (Platz 41) ins Ziel und hatten reichlich Spass auf und neben Rennstrecke bei perfekten Bedingungen.



Cafe und Andi waren wie immer eine Bank und hatten einen wesentlichen Beitrag zur Beendigung der 6 Stunden geleistet. Vor allem schafften es beide im letzten Drittel des Rennens trotz zunehmender Schmerzen und einem völlig verschlissenen Hinterrad meine Motivation entsprechend hoch zu halten. Andi´s Rennschnecken waren daran ebenfalls beteiligt.

Mal wieder keine Chance abzunehmen! :-)
1. Große Veränderung:
Was ich an diesem Tag noch nicht wusste, war der Umstand, dass es völlig ungeplant mein letztes Rennen mit der aprilia war. Wohl auch deshalb ist an diesem Tag mein absolutes Lieblingsbild mit der aprilia entstanden.


Ziemlich zeitnah nach dem Verkauf der aprilia konnte mit Betti ein neues Sportgerät für den Rest der Saison erworben werden. Betti wird zu einem späteren Zeitpunkt intensiver in diesem Rahmen vorgestellt.

Das ist die Basis für die nächsten Rennen:

Betti
2. Große Veränderung:
Leider ist es dem Team SPECKtakuläre Heizer aus den unterschiedlichsten Gründen nicht möglich in der originären Besetzung die restlichen Rennen zu bestreiten. Bedingt durch den Sturz von Thomas im Panigale Racing Team, ermöglicht es zumindest mir, wenn auch für ein anderes Team, mit Ralf und Hagen die Saison bis zum Ende zu bestreiten. Cafe und Andi haben mir auch weiterhin ihre Unterstützung zugesagt, wofür ich sehr dankbar bin.
An dieser Stelle möchte ich es nicht versäumen, Thomas gute und schnelle Genesung zu wünschen. Ich hoffe, ihn würdig vertreten zu können.

Selbstredend trotz nicht unerheblicher Veränderungen werde ich weiterhin von den Rennen und dem weiteren Verlauf der eigenen Motorsportsaison berichten.

Somit ist der Fokus nun auf das nächste Rennen am 26.08.2012 und somit auf die Mission "Pokal" gerichtet.



  


Samstag, 21. Juli 2012

Kein flotter Dreier

Es steht nun fest. Am morgigen Sonntag wird das Team SPECKtakuläre Heizer #196 beim 6h-Rennen des Dortmunder Motorsport Club nicht an den Start gehen, zumindest nicht zu dritt.
Eco´s (materielle) Folgen seines Sturzes, Ennos Seitensprung auf dem Lausitzring an diesem Wochenende und Probleme bei der Fertigstellung von Cafe´s Duc führen dazu, dass Streettriple-Cup-Veteran Klaus "The Rainman" und ich, beide auf aprilia RSV4, einem sehr langen Rennen entgegen sehen. Davon lassen wir uns doch nicht abschrecken und freuen uns deshalb auf die Extraportion Rennstrecke.
Unverändert gilt:
Fans, Groupies oder auch Freunde und Anhänger des Motorradsports können sich gerne in Box #17 unmittelbar und live davon überzeugen, dass wir Alles, aber auch wirklich Alles geben werden, um nach 6 Stunden unsere wohlverdiente Tasse Bier zu trinken.
Wir sehen uns morgen am Ring!

Sonntag, 15. Juli 2012

Aufgeben? Niemals!

Das erste 6h-Rennen im Jahr und dann gleich das "all-inclusive"-Paket gebucht. Da war einfach alles dabei! Drama auf zwei Rädern!
Aber immer schön der Reihe nach:

Mit Anreise am Vorabend des 08.07. verlief für das Team SPECKtakuläre Heizer alles planmäßig. Eco, Enno (der zuvor noch ein romantisches Essen zu dritt hatte), Andi und ich trafen uns im Bereich des Haus D und gingen gemeinsam zur Erledigung des Papierkrams. Damit war die erste Hürde erfolgreich genommen.
Ja fast schon eine never-ending-story war das kapriziöse Beziehen des Fahrerlagers, so dass wir uns nur noch verbliebene freie Stellen suchen konnten. Aber bitte, auch das konnte uns nicht aus der Ruhe bringen.
Nach dem Beziehen der Box, und da war es schon sehr spät (vernünftige Menschen gehen da schon ins Bett), folgte die technische Abnahme mit leichten Abzügen in der B-Note. Zum einen weil das Warten (so ist das nunmal bei 66 gemeldeten Teams) unsere Chance auf frühzeitigen Schlaf drastisch verringerte und zum anderen weil Eco an der BMW noch etwas nachbessern musste. Regeln sind Regeln! Never mind, auch darauf konnten wir Einfluss nehmen und fanden nach der Einnahme von einer klitzekleinen Menge Knoblauch mit Nudeln so gegen 01:30 Uhr den Weg ins Bett.
Eco, die arme Socke beim ständigen Räderwechseln
Lange, wirklich sehr lange hatte ich mich auf diesen Tag gefreut. Aber dann das:
Aufmerksame Leser wissen, dass ich nun wirklich kein Freund des feuchten Asphalts bin. Als so gegen 06.00 Uhr der Wecker klingelte und ich ausgeschlafen wie ich war das erste mal die Tür des Wohnwagens öffnete, begann die Welt unterzugehen. Nostradamus hatte Recht und so schien es, dass 2012 alles ein Ende nimmt. Nein, als Regen konnte man dies nicht mehr bezeichnen, der Nürburgring glich vielmehr den Niagarafällen.
Entsprechend groß war die Lust diesen Tag in Angriff zu nehmen. Auf dem Weg zum Duschen (was im übrigen völlig überflüssig war aufgrund des Niederschlags) redete ich mir die Bedingungen schön. Okay, die Wettervorhersage war nicht wirklich prall, aber musste es denn gleich so kommen?
Einzig hilfreich in dieser Situation war das Bewusststein, dass alle anderen Mitstreiter ebenfalls mit diesen Bedingungen zu kämpfen hatten.
Also, ab geht´s in die Box und Regenpellen aufziehen. Kaum damit angefangen, kam Cafe um die Ecke und begrüßte mich den Worten "Geiles Wetter, oder?!" und lachte dabei ganz überzeugt von seiner Wahrnehmung über beide Ohren.
Wie kann man sich nur so über Regen freuen?
Viel besser haben mir dann seine Worte gefallen "Los, geh aus dem Weg, ich mach das. Du bist heute zum Fahren hier!" und ermöglichte mir damit eine Vorbereitung für diesen Tag, die eher im psychlogischen Bereich anzusiedeln ist. "Ooooohhhhhhhhmmmmmmmmmm!"
Apropos Vorbereitung:
Das Team war perfekt vorbereitet. Es fehlte an nichts. Unser Teamkoordinator Andi stellte den Teamangehörigen und seinen Besuchern in der Box sogar einen eigens für diesen Tag angefertigten Kuchen zur Verfügung. Dieser stimmte uns nicht nur auf unser Vorhaben ein, nein, er war auch noch verdammt lecker!
Das gibt Grip am Hinterrad!
Zurück zum Renngeschehen:
Gemäß dem Veranstalter war zunächst an diesem Morgen eine Stunde Prüf- und Einstellfahrten vorgesehen.
Da es aber Friktionen hinsichtlich der Streckensicherheit gab, verschob sich der Zeitplan etwas nach hinten.
Zwischenzeitlich war nicht nur diese eine Stunde freies Fahren sondern auch die Qualifikation gefährdet.
Da aber dann doch ausreichend Heuballen um das Asphaltband verteilt werden konnten und der Veranstalter Dunn-Racing auf seine Nutzungszeit verzichtete (sehr löblich von diesem Veranstalter), konnten wir unseren Plan weiter verfolgen. Enno, bisher noch nie auf dem Nürburgring gewesen, sollte von mir grob im Zuge der 60 Minuten die Linie auf dieser traditionsreichen Strecke gezeigt bekommen. Noch nicht wirklich die Boxengasse verlassen, warnte ich Enno, dass meine Fähigkeiten im Regen äußerst begrenzt sind. Enno war das egal und so rollten wir raus auf die Strecke. Irgendetwas war aber anders an diesem Tag.
Völlig locker und frei von Ängsten spulte ich meine ersten Runden auf der gut gespülten Strecke ab.
Bewusst war zu diesem Zeitpunkt der Laptimer nicht eingeschaltet und so kehrte ich mit einem guten Gefühl nach ca. 30 Minuten zurück an die Box, um Eco auch noch etwas Fahrzeit bei diesen Bedingungen zu ermöglichen.
Warum auch immer, Eco stand schon nach ca. 10 Minuten wieder in der Box. Das lag aber nicht an ihm, sondern das Training wurde entgegen der Ansage früher beendet.
Das Hauptziel Enno ein paar Eingewöhnungsrunden zu ermöglichen, war damit dennoch erfüllt..
Enno hatte trotz Akku-Problemen sichtlich Freude bei der Befahrung des Nürburgrings 
Schlag auf Schlag ging es dann, da der Veranstalter sichtlich bemüht war den ursprünglich aufgestellten Zeitplan einzuhalten. Somit folgte die Qualifikation und innerhalb des Teams wurde ich im Konsens bestimmt uns einen bestmöglichen Startplatz rauszufahren. Immer dieser Druck! ;-)
"Okay, wenn Enno und Eco davon überzeugt sind, dass das eine gute Idee ist, dann werde ich das tun!" und fand mich mit meinem Schicksal ab. Ach ja, und nass war es zu diesem Zeitpunkt noch immer.
Vor der Qualifikation noch schnell das Haga-Mapping aufgespielt ;-)
Mit der Erwartung, dass das postive Gefühl aus dem vorherigen Training schnell verpufft und ich regelrecht durchgereicht werde, rollte ich schon wieder gen Boxenausfahrt. Mit eingestelltem Regenmapping (135 PS) und hochgeregelter Traktionskontrolle sollte hinsichtlich Sturz und Rutschern nix schief gehen. Doch irgendwann musste ich im Laufe der Qualifikation festellen, dass das doch etwas zügiger geht und drückte fix ein paar Knöpfe an der aprilia. Und siehe da, plötzlich passten die Bremspunkte nicht mehr und die nun verfügbaren 180PS mich zu schnell auf die Kurven drückten. Aber da der Mensch ja auch bekanntermaßen ein Gewohnheitstier ist, klappte dies nach ein paar Kurven der Eingewöhnung auch immer besser. Von Runde zu Runde zeigte nun der Laptimer immer tiefere Rundenzeiten an und dachte mir dabei noch "Der Laptimer ist ein Arschloch und lügt mich an.". Zu gut waren für meine schwuchteligen Regenfähigkeiten die angezeigten Rundenzeiten. Das war mir dann aber auch schnell egal, war mir doch klar, damit bin ich auf jeden Fall nicht Letzter. Leider (für meine Verhältnisse eine völlig paradoxe Aussage) wurde dann die Qualifikation abgewunken. Ich habe mich pudelwohl im Regen gefühlt. Schnellfahren und Wohlfühlen passen meistens nicht so gut zueinander und auch deshalb machte ich mir beim Einfahren in die Boxengasse schon Gedanken, zu welcher Platzierung die gefahrene Zeit wohl gereicht hat. In der Box angekommen empfängt Cafe mich mit einem zustimmenden Nicken und verkündete mir kurze Zeit später die gefahrene Zeit und den daraus resultierenden Startplatz: 
2:30,577 Min und Startplatz 10!
Das wollte ich nicht glauben. Nie aber auch wirklich nie hätte ich das für möglich gehalten. Damit war aber auch klar, dass der Laptimer kein Arschloch ist und mir schon während dem Fahren die exakte Zeit anzeigte.
Die innere Gefühlslandschaft nach dieser frohen Botschaft zu beschreiben ist unmöglich und deshalb lasse ich dies an dieser Stelle. 
Bedingt durch die herausgefahrene Startposition wurde auch schnell der Startfahrer im Team identifiziert. Ich schon wieder! ;-)  (Enno, Eco das nächste mal gönne ich Euch den Spass!)
Wie bereits geschrieben, der Zeitplan ging Schlag auf Schlag und forderte zunehmend flinke Hände in den Boxen. So musste die aprilia erstmalig an dem Tag randvoll getankt und vor dem Start einem letzten schnellen Check unterzogen werden. Cafe und Andi, die sich an diesem Tag erst kennen gelernt haben, bereiteten äußerst professionell und in einer sehr zuversichtlichen Art die RSV4 vor. Das senkte das Stresslevel ungemein.
Beim Einnehmen der Startposition wartete Andi bereits und nahm das Sportgerät in Empfang.
Um es kurz zu machen:
Wie dem schon vor einigen Tagen geposteten Video zu entnehmen, war der Start aus meiner persönlichen Sicht und der des Teams eine wahre Katastrophe. Zu viele Positionen habe ich am Start verloren und zu spät uns nach und nach weiter auf die vorderen Ränge gekämpft. Begann das Rennen noch im Nassen trocknete die Strecke zunehmend ab, so dass weitere Positionsverbesserungen zum Ende meines Turns kaum noch möglich waren. Auf Position 20 liegend übergab ich nach 20 Runden mit völlig zerstörten Regenreifen an Eco bei inzwischen trügerischen trockenen Pisten- und Wetterverhältnissen. Keine 6 Runden später stand Eco wieder in der Box weil es zwischenzeitlich mal wieder regnete. Also wurde Enno in den Positionskampf geschickt. 21 Runden kämpfte er tatsächlich auf Position 20 liegend bis der Akku leer war. Leider war es der Akku seiner Else(ohne LiMa). Anschiebend und mit letzter Kraft erreichte Enno Box 17 und übergab den Transponder an Eco. Dieser, die arme Socke, hatte mal wieder zwischenzeitlich auf Regenbereifung gewechselt. Generell muss an dieser Stelle festgehalten werde, dass die Boxenanlage einer Kathedrale glich. Egal in welche Box man schaute, überall waren Menschen auf Knien anzutreffen und beteten das schwarze Gummi an. Für unser Team habe ich rückblickend den Überblick verloren wie oft den tatsächlich die Räder gewechselt wurden. Aber Cafe, Andi und auch Henning verdienen unseren größten Respekt für diese Leistung. 
Bevor ich zurück zum Renngeschehen kehre noch eine kleine Anekdote:
Völlig unerwartet, erhielt das Team Unterstützung in menschlicher Form. Diese nannte sich Andrea und Henning. Die zuvor genannte Dame hatte den ausdrücklichen Wunsch zu ihrem Hochzeitstag sich unbedingt mal ein Langstreckenrennen anzuschauen. Und da Henning ein guter Gatte ist, folgte er diesem Wunsch. Die weite Anreise aus Lübeck konnte die beiden von diesem Vorhaben nicht abbringen. Fakt ist, sie sind definitiv eine Bereicherung für das Team gewesen. So war Henning sich nicht zu schade Reifen zu wechseln und Andrea stand beim unschönsten Eifelwetter stundenlang an der Boxenmauer, um ca. alle 2:30 Min nach der #196 zu schauen. Das ist gelebte Motorsportleidenschaft!


Zurück zum Rennen:
Also versuchte nun Eco im Rennen uns positionstechnisch zu verbessern. Nach einer gewissen Zeit wurde allerdings unsere Startnummer auf dem Zeitenmonitor immer weiter nach hinten gereicht und Eco überquerte nicht mehr die Start-/Ziellinie. Der Supergau für das Team war eingetreten. Es verging sehr viel Zeit als klar war, dass Eco gestürzt ist. Gott sei Dank lag der Schaden nur im materiellen Bereich und so tauchte nach einer Weile ein sichtlich geknickter Eco in unserer Box auf. In der Zwischenzeit wurde ein Ersatztransponder organisiert und das Rennen konnte von mir wieder aufgenommen werden. Zu diesem Zeitpunkt stand jedoch fest, dass eine unserem Potential entsprechende Platzierung völlig unerreichbar war.
Dieser bitteren Erkenntnis mussten wir leider schon zur Halbzeit des Rennens ins Auge sehen. Getoppt wurde diese Tatsache, dass der Rest des Rennens mit 1,5 Motörrädern bewältigt werden musste.
Eco´s BMW stand an einem unzugänglichen Ort, Enno´s Ladegerät konnte den Akku nicht schnell genug laden und somit blieben weitestgehend nur noch die aprilia und ich übrig.
Der weitere Verlauf  war dann geprägt von langen Turns meinerseits, der Übergabe des Transponders an Enno und in den verbleibenden 15-20 Minuten (so lange hielt der Akku) wurde die aprilia getankt und vermeintlich richtig bei ständig wechselnden Bedingungen bereift. Gemessen habe ich es nicht, aber zum Ende des Rennens konnten Cafe, Andi und Henning die aprilia in gefühlten 3 Minuten mit neuen Rädern ausstatten.
Da ist Verlass: Ruhiges und professionelles Arbeiten
Seltener Moment an diesem Tag:
aprilia auf  Slicks
Diese Prozedur wurde bis zum Rennende, dem Überqueren der Start-/Ziellinie nach 6 Stunden beibehalten.
Diese Ehre kam mir zu. Lieber wäre mir gewesen, alle Beteiligten mit an Board zu haben, da nur durch sie dieses Minimalziel erreicht. wurde. Noch heute, mit ein paar Tagen Abstand, bin ich schwer beeindruckt vom vorhandenen Geist in diesem Team. Für niemanden und zu keiner Zeit war Aufgeben eine Option. Ganz im Gegenteil. Mit jedem Nackenschlag der uns in unserem Vorhaben bremste, entwickelte sich zunehmend eine "Und-jetzt-erst-recht-Mentalität".

Bei der Betrachtung des Gesamtergebnisses schlagen abschließend zwei Herzen in mir.
Mit Platz 47 können und wollen wir nicht zufrieden sein. Trotz eines sehr starken Starterfeldes wäre an diesem Tag eine Top15-Platzierung mehr als realistisch gewesen. Dass wir das Minimalziel erreicht haben, nicht als Letzter ins Ziel zu kommen und die 6 Stunden bewältigt haben, stimmt uns doch ein wenig milde. Nicht zuletzt weil wir als Ganzes sehr gut funktioniert haben, jeder sich ins Team eingebracht hat und wir nie den Spass verloren haben. Einzig und allein Eco musste nach diesem Tag etwas aufgebaut werden, hatte er   schließlich mit der ständigen Reifenwechselei, Elektronikproblemen und gekrönt durch seinen Sturz die große A-Karte an diesem Tag gezogen.

Ich verwende gerne dieses Bildnis. Wo Licht ist, ist auch Schatten und umgekehrt. Persönlich konnte ich an diesem Tag nämlich nicht meckern. Die aprilia lief zuverlässig wie ein Uhrwerk und nahm mir meine Regenphobie. Dies konnte ich neben der für mich schon sensationellen Qualifikationszeit während des Rennens bei nassen Bedingungen mit einer 27er Zeit untermauern. Vor einem Jahr noch unvorstellbar.

Und trotzdem:
So ein 6h-Rennen ist Teamsport. Deshalb geht nochmal mein ganz besonderer Dank an Andrea, Henning, Enno, Eco, Andi und Cafe für diesen speziellen Tag.

Gefreut habe ich mich auch über die unzähligen Besuche von mir unbekannten Lesern dieses Blogspots und Bekanntschaften aus diversen Foren.
Ein wahres Patchwork-Team
Mit dem Ausblick auf den 22.07. freuen wir uns schon jetzt auf unser nächstes 6h-Rennen, verbunden mit der Chance unser wahres Potential zu zeigen. Zum momentanen Zeitpunkt ist noch nicht ganz geklärt in welcher Konstellation das Team an den Start geht.
Sicher ist jedoch, dass mindestens zwei Motorräder und ihre Reiter mit der Startnummer #196 sich den 6 Stunden stellen werden.




Dienstag, 10. Juli 2012

Das Seepferdchen

Letztes Wochenende war es nun soweit.
Das Team SPECKtakuläre Heizer #196 ging beim ersten von vier 6h-Rennen im Rahmen des RL-Cup an den Start und setzte sich somit den Wetterlaunen der Eifel aus. Dokumentiert ist das Ganze vorab (Bericht folgt in den nächsten Tagen) in u.a. Video.
Es wird ausdrücklich empfohlen, dass bei der Betrachtung dieses Filmes warme Socken, Gummistiefel, Regenmantel und Taucherbrille griffbereit sind.

Viel Spass beim Ablegen des "Seepferdchens"!



    

Freitag, 6. Juli 2012

Es kann losgehen!

In genau zwei Tagen werden wir uns auf dem Nürburgring zu unserem ersten 6h-Rennen für 2012 befinden.
Erleichtert können wir festhalten, dass trotz arbeitsreicher Vorbereitung soweit alle Maßnahmen abgeschlossen sind und uns nun voll und ganz dem Rennen am Sonntag widmen können.

Von Jahr zu Jahr wird es mehr Geraffel
Gerne erinnere ich mich auch in diesem Zusammenhang an mein erstes 6h-Rennen in 2010.
Hier mal ein kleiner Auszug, damals noch auf der guten Ducati 1098 unterwegs:


Wer jetzt noch nicht vom Virus "Rennstrecke" befallen ist, für den gibt es
zur Einstimmung noch dieses kleine und nicht ganz ernstgemeinte Video:
                                                                                      

Die Sachen sind gepackt, das Starterfeld randvoll, das Wetter wird... (ach vergessen wir das besser) und die Motivation ist grenzenlos.
Also ab zum Nürburgring, wir sehen uns in Box #17!

Dienstag, 12. Juni 2012

SPECKtakuläre Heizer - Das Patchwork-Racing-Team

In weniger als einem Monat wird mit dem 08.07.2012 das erste 6h-Rennen im Rahmen des Reinoldus-Cup die Langstreckensaison einläuten. Mit unter den Teilnehmern wird auch das Racing-Team SPECKtakuläre Heizer mit der Startnummer #196 vertreten sein. Grund genug dieses Patchwork-Racing-Team mal genauer unter die Lupe zu nehmen und die handelnden Protagonisten kurz zu beleuchten.

Zur Vorgeschichte:
Da Eco und ich bereits in 2011 gemeinsam ein Langstreckenrennen fahren wollten, das aber nicht geklappt hat, war das für 2012 das erklärte Ziel. Weil Cafe in diesem Jahr auch nochmal angreifen will und es fast schon Tradition ist mit Cafe gemeinsam zu fahren, war unser dritter Fahrer schnell gefunden. Drei Fahrer sollten eigtl reichen. Allerdings ist so eine Saison recht lange und nicht jeder kann zu den vorgegebenen Terminen verfügbar sein. Deshalb kam kurzerhand Enrico aka "Enno" zusätzlich neu ins Team.
Mit Eco, Enno und mir wird das Team dann auch das erste Rennen bestreiten.
Zugegeben, um die goldene Ananas wollen wir dieses Jahr nicht mitfahren, und um das Ganze etwas ambitionierter anzugehen, hat sich Andi aka "Waldgeist" zur Freude aller erklärt uns während der Rennen als Koordinator zu unterstützen.

Den Autor selbst muss ich nicht mehr vorstellen, vielmehr sollen an dieser Stelle der "Mastermind" des Teams und die Fahrer in Wort und Bild kurz vorgestellt werden.

Andi aka "Waldgeist":
Er selbst bezeichnet sich auch gerne als "Einheits"brei, zumal er als Exil-Ossi schon einige Bundesländer bewohnt hat. Bezeichnend für ihn ist seine ruhige und Zuversicht ausstrahlende Art. Damit ist er geradezu prädestiniert für die Aufgabe als Team-Koordinator.


Aber er weiß auch, was es heißt ein Motorrad auf der Rennstrecke zu bewegen. Wie fast schon typisch für mein Umfeld, fährt auch er eine Ducati.


Wenn diese nicht im Kreis bewegt wird, muss halt auch mal die Supermoto herhalten.


Für die groben Reifen kann sich Andi ebenfalls begeistern. Und zwar so sehr, dass er auch mal Raum und Zeit vergisst und damit nach Marokko fährt.



Enrico aka "Enno":
Enno kenne ich bisher nur aus dem 1098-Forum. Ihm eilt aber der Ruf voraus, nicht gerade langsam im Kreis zu fahren. Viel Überzeugungsarbeit hat es bei ihm auch nicht gebraucht, um ihn für die 6h-Rennen zu gewinnen. Als aprilia-Fahrer könnte man mir vorwerfen, dass ich schlechten Umgang habe, da auch er Treiber einer Ducati 1198 (noch) ist. :-)

Kaum zu glauben, dass Enno schon 37 ist!
 
Und schräg kann er auch!



Sascha aka "Ecotec":
Eco ist überzeugter BMW-Treiber. Dass die S1000 RR von der Basis her schon ein sehr gutes Motorrad ist, sollte inzwischen jedem bekannt sein. Dennoch hat Sascha keine Kosten und Mühen gescheut und die S1000 RR mit vielen edlen und sinnvollen Teilen aufgewertet.
Mit der Erwartungshaltung unter die ersten 10 Teams bei den 6h-Rennen zu fahren, formuliert er ein sehr ehrgeiziges aber auch nicht unrealistisches Ziel für das Team. Wir sind uns sicher, dass er (wie alle anderen auch) alles zur Zielerreichung gibt und einen ganz wesentlichen Beitrag für eine vernünftige Platzierung leistet.
Am Material soll es auf jeden Fall nicht scheitern.




Wolfgang aka "Cafe436":
Zu Cafe müssen nicht mehr viele Worte verloren werden, ist ihm schließlich hier ein eigener Post gewidmet. Erfreulich der Umstand, dass er dieses Jahr nach auskurierter Krankheit wieder voll ins Renngeschehen eingreift. Nur sein großes Projekt bremst Cafe noch ein wenig in seinem Tatendrang. Erst zum zweiten Lauf des Reinoldus-Cup wird seine Ducati (noch so einer) voraussichtlich fertiggestellt sein.


Und so lange dieses museumsreife Eisen noch in der Werkstatt ruht, übt Cafe hiermit und gewöhnt sich an brachiale Beschleunigungsorgien:



Zusammenfassung:
Ein Exil-Ossi, ein Sauerländer, ein Ossi, ein Saarländer und ein Pfälzer nehmen den RL-Cup in Angriff.
Damit sind die Zutaten für eine multi-deutsch-kulturelle Motorsport-Liasion vielversprechend und fein aufeinander abgestimmt.

Wir freuen uns schon jetzt auf unser erstes gemeinsames Rennen!










Dienstag, 22. Mai 2012

Und plötzlich ist alles anders!

Um es vorweg zu nehmen:
So recht habe ich selbst nicht mehr daran geglaubt in diesem Jahr mit der RSV4 noch auf der Rennstrecke zu fahren, aber es sollte endlich soweit sein.

Sehr kurzfristig hat sich für mich die Möglichkeit angeboten am 11.05.2012 mit Speer-Racing im Rahmen eines Renntrainings den Hockenheimring zu befahren. Da auch die Teamchefin und die jüngsten Familienmitglieder mit der Teilnahme einverstanden waren, wurde schnell gebucht und entsprechend die Vorbereitungsmaßnahmen abgeschlossen.

Mit gepacktem Auto und Wohnwagen machte ich mich dann am Vorabend auf den Weg nach "Hoggene", um auch am folgenden Morgen das Stresslevel weitestgehend niedrig zu halten. Schließlich war ich ja auch alleine vor Ort und nicht wie gewohnt mit der Teamchefin.
Mit großer Vorfreude lag nun nach 90 Minuten Fahrt der Hockenheimring vor mir.


Bekanntermaßen gehört Geduld zu meinen "besonderen Stärken" und aus diesem Grund durften wir alle noch warten bis der Hockenheimring zur zeitlich begrenzten Heimat für uns werden sollte.

Nein, kein Einlass wie geplant um 20.00 Uhr sondern um erst um 20.30 Uhr!
Wir sind ja geduldig....

Als Lagerfahrer im Fahrerlager angekommen wurde schnell der ganze Papierkram erledigt und dabei sich auch noch gleichzeitig für das Sprintrennen im Rahmen des Regio Cups gemeldet.
Bei der so üblichen Lärmmessung gab es dann auch noch Überraschung "numero uno".
100dB waren die Auflage des Veranstalters und im Wissen, dass ich den Endschalldämpfer habe kürzen lassen, wurde der dB-Killer schon rein vorsorglich verbaut. Gleichermaßen war auch die Erwartungshaltung vom netten Herrn mit seinem Messgerät. So stimmte seine Aussage mich nicht besonders zuversichtlich: "Ohje, ne RSV4 und dann noch nen kurzen Akra dran, das könnte eng werden für Dich!". Na super, fängt ja prima an. Trotzdem, hilft ja alles nix, Motor auf die geforderte Drehzahl gebracht und das Prozedere über sich ergehen lassen. Als der (ich nenn ihn mal so) Lautstärkenmann mich zum Abstellen des Motors aufgefordert hat, sah ich mich schon wieder alles einpacken. Lautstärkenmann: "Fahr nochmal zurück, da müssen wir noch was machen..." Ole ole, ich wusste es, aber dann kam der der bessere Teil seines Satzes: "... da liegen nur 92dB an, mach den dB-Killer raus, besser ist das!" Wie kühl ist das denn? Oder will der mich einfach nur auf den Arm nehmen?
Bevor er es sich allerdings nochmal überlegen konnte, bin ich fix zum Werkzeug gefahren, dB-Killer entfernt und erneut beim Lautstärkenmann vorstellig gewesen. Und siehe da, Überraschung "numero due" ließ nicht lange auf sich warten. Selbst ohne dB-Killer lagen nur 96dB an und somit war mir ein überaus pornöses Klangerlebnis für den Folgetag sicher. STRIKE!

Recht zügig aber nicht so schnell wie sonst (Franzi und ich sind inzwischen ein eingespieltes Team), waren alle Sachen ausgepackt und der Wohnwagen für die Nacht vorbereitet.


Bevor ich zur Nachtruhe überging, lernte ich noch meine "Nachbarn" Conny und Thomas näher kennen. Noch recht lange redeten wir reichlich Benzin und hatten einen wirklich entspannten Abend.
Spät, fast schon zu spät gings es dann in die Heija Bubu machen...

Da war er endlich, der nächste Morgen!
Insgeheim rechnete ich ja doch tatsächlich noch mit dem einschlagenden Komet, der Landung von Aliens oder dem Einzug von Claudia Roth ins das Bundeskanzleramt, auf jedem Fall einem Grund, der mich am ersten Ausritt mit der aprilia hindern sollte.

Acht Monate waren seit dem letzten Rennstreckenbesuch vergangen und folgerichtig ging mir doch reichlich die Düse. Der Umstand nun auch noch zweifacher Vater zu sein, machte meine Gefühlslandschaft nicht gerade einfacher. Zweifel kamen auf. War es richtig sich in die schnellste Gruppe einzuschreiben? Reicht die eigene Fitness? Und wie soll ich das erst kürzlich erhaltene Bestätigungsschreiben der Lebensversicherung deuten?
Ach Sch.... drauf, alles wird gut.

Da die beiden Kumpels, bekannt auch unter den Namen Vorsicht und Sicherheit, trotzdem links und rechts auf meinen Schultern weilten, habe ich ich an diesem Morgen bei der Fahrerbesprechung besonders aufmerksam zugehört. Es blieb die Erkenntnis: Nix hat sich zum Vorjahr geändert! Das war schonmal gut.


Unmittelbar an die Fahrerbesprechung folgte das nächste Highlight. Das Anlegen der Kombi!
In schlimmer Erwartung eines Fiaskos war auch hier die nächste angenehme Überraschung zu verzeichnen. Ohne fremde Hilfe und ohne Schnappatmung in Kombination mit Kraftausdrücken konnte die Kombi nach weitestgehend zehn sportfreien Wochen angelegt werden. Allerdings zeichnete sich schon hier ein Problem ab, welches mich den ganzen Tag begleiten sollte. Es war unsagbar schwül, aber dazu später mehr.
Da vor meiner Gruppe noch einige andere Gruppen mit ihrem Turn dran waren, konnten die Vorbereitungen wie Heizdecken aufziehen, Tanken, Angstpippi entsorgen usw. ohne zeitlichen Druck vorgenommen werden.
Tja, aber irgendwann war es soweit. Sonst immer am Vorstart als Erster stehend, ließ ich mir Zeit und rollte erst Richtung Vorstart als die ersten Fahrer meiner Gruppe schon auf der Strecke waren.
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Mit dem Vorsatz versehen es insbesondere im ersten Turn ruhig angehen zu lassen und dabei niemandem im Weg rum zu stehen, rollte ich aus der Boxengasse. "Mach langsam, mach langsam, der Tag ist lang!" Ich war gerademal die ersten Kurvenkombinationen gefahren, raus auf die Parabolica, aber spätestens nach der 180°-Kehre stand fest, es geht nicht langsam mit diesem Motorrad. Alles wirkte so vertraut, alles so spielerisch und vorallem das Bike war so intuitiv zu fahren. Vom ersten Meter an hatte ich Feedback der Reifen und unbeschreiblich großes Vertrauen in die aprilia. Verschmolzen mit dem Bike bereits nach der ersten Runde war ich ja geradezu gezwungen das Tempo zu erhöhen. Nach drei Runden konnte ich schon eine 1:57,xxx auf der Zeitenliste für mich verbuchen. Eine Zeit, für die ich in vergangenen Tagen sehr lange kämpfen musste. Damit war ich schon mal sehr zufrieden. Womit ich aber nicht zufrieden war, ist der Umstand, dass ich nach 7-8 Runden wieder das Fahrerlager ansteuern musste, da sich nach und nach meine Kräfte verabschiedeten. Heftig, das habe ich so noch nie erlebt. So what, das Grinsen unterm Helm wollte mit der Ankunft am Wohnwagen ungeachtet dessen nicht weichen.

Mit dem Blick in die ein oder andere Fachlektüre wird der aprilia immer wieder bei vergleichender Betrachtung "vorgeworfen", dass es ihr an Spitzenleistung fehlt. Aber schon allein nach dem ersten Turn ist es völlig unstrittig, mich mit der RSV4 für ein Bike mit dem einem absolut einzigartigen Unterhaltungsfaktor entschieden zuhaben. In meinem Urteil nach dem ersten Turn von Euphorie stark geprägt, sollte sich im weiteren Verlauf des Tages nichts mehr ändern. Ganz im Gegenteil, mit jeder zusätzlich gefahrenen Runde verschmolzen die aprilia und ich und wurden zu einer wahren Einheit! Unverändert setzte mir mit zunehmender Tageszeit  die Hitze zu. Im Bewusstsein meiner neuen Verantwortung (oh Gott, ich werde alt und vernünftig!) ließ ich dann den 3.Turn des Tages verstreichen, versuchte etwas zu regenerieren und wechselte dabei noch auf meine erst kürzlich gelieferten Metzeler-Racetec-Slicks. Mein Dank gilt hierbei Bernd Dietrich von Motorsport Dietrich, der mich sehr kurzfristig mit dem schwarzen Gold belieferte und auch für den Rest der Saison mit Reifen versorgt.
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Mit den neuen Reifen ging es dann nach der Mittagspause erneut auf Zeitenjagd und im 5.Turn wurde dann tatsächlich meine jemals gefahrene Bestzeit auf dem Hockenheimring mit einer 1:54,9xx zu einem sehr frühen und völlig unerwarteten Zeitpunkt der noch jungen Saison egalisiert. Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet zumal die eigene Zielsetzung für diesen Tag auch eine andere war. Dass dies aber auch bei den vorherrschenden Temperaturen sein Preis hatte, spiegelte sich mit dem Aussetzen des 6.Turns wieder. Ein Umstand der im Normalfall völlig untypisch für mich ist, aber mit Blick auf die Absicht am abschließenden Sprintrennen teilzunehmen eine unabdingbare Maßnahme bei schwindenden Kräften.

Eine stattdessen in Anspruch genommene kalte Dusche zeigte sich als wirkungsvolle und wohltuende Vorbereitungsmaßnahme für das Rennen.

Bei einer Starterzahl von gemeldeten 22 Fahrern konnte ich im Laufe des Tages den 19. Startplatz herausfahren. Für mich nicht wirklich tragisch, da ich zu keinem Zeitpunkt des Tages das Gefühl hatte an meinem fahrerischen Limit angekommen zu sein. Viel mehr fand ich beeindruckend, dass die ersten 10 Fahrer alle Rundenzeiten unter 1:50,xxx vorweisen konnten, und das bei einer reinen Hobbyveranstaltung!

Mit dem Ziel nicht als Letzter das Rennen beenden zu müssen, nahm ich rückblickend ein nicht enden wollendes Rennen unter die Räder. Warum auch immer, aber die Aufregung hielt sich in Grenzen. Schon deshalb ist es für mich nicht nachvollziehbar, unmittelbar nach dem rollenden Start am Ende der Start/Ziel-Geraden mich verbremst zu haben und somit zu Beginn des Rennens 2 Plätze zu verlieren.
Unter wirklich sehr körperlich fordernden Bedingungen kämpfte ich mich im weiteren Verlauf auf Platz 17 und fightete bis zum Schluss mit einer vor mir fahrenden GSX-R. Auch dem Reiter dieses Streiteisens war es anzumerken, dass er am körperlichen Limit fuhr, da mit zunehmender Renndauer seine Linie unberechbarer wurde. Ich startete deshalb keinen weiteren Überholvorgang und fand mich mit der erkämpften Platzierung ab, wenn auch uns lediglich nur 3 Zehntel trennten. Platz 17, damit konnte ich Leben. Darüberhinaus konnte ich im Rennen nochmals meine Tagesbestzeit auf 1:54,4xx runterschrauben. Somit wurden die eigenen Zielvorgaben mehr als erfüllt und gaben keinen Anlass zur Unzufriedenheit.

Was mit Abschluss des Rennens folgte, waren Bilder des Grauens. Im Würgegriff der Hitze hatte ich mich völlig verausgabt, konnte trotz großer Übelkeit und Mithilfe von Conny und Thomas meine sieben Sachen packen und dennoch traf mich in einem Moment der Ruhe der große Hammer. Hinterm Wohnwagen und völlig unbeobachtet öffneten sich die Schleusen und ich hatte ein Wiedersehen mit meinem Mittagessen.
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Das bringt mich an dieser Stelle auch schon zu meinem Fazit des Tages. Ein Motorrad auf der Rennstrecke zu bewegen, ist und bleibt ein sehr fordernder Sport. Bei den für die Saison hoch gesteckten Ziele zeigte es mir sehr deutlich meine trainingsphysiologischen Defizite auf. Klingt blöde, aber dafür bin ich sehr dankbar.
Betrachte ich den ganzen Tag, so ist die Auftaktveranstaltung nach so langer Pause mit dem neuen Motorrad sehr gelungen. Da ist durchaus noch Potential nach oben.
Noch ein paar Worte zur RSV4. Bitte nicht falsch verstehen, es soll nicht der Eindruck enstehen, das mit der aprilia pauschale Zeitenverbesserungen möglich sind. Die aprilia ist ein sehr ehrliches Motorrad hinsichtlich des Fahrwerks. Punkt! Der Motor selbst ist in puncto Leistungsabgabe so linear und fast schon unspektakulär, aber zu jeder Zeit vollkommen berechenbar und versehen mit einem Sound, der sich nicht in Worte fassen lässt. Sex auf zwei Rädern! ;-)

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Angeschlagen aber äußerst zufrieden trat ich am selben Abend die Heimreise an und berichtete der Teamchefin von den Heldentaten. Ein Tag, der schwer zu toppen war!

Bevor ich es vergesse:
Sehr habe ich mich auch über den Besuch von Tobse und Thilo an diesem Tag gefreut. War prima Euch mal wieder zu sehen!


Nachschlag!
Am Folgetag wie mit der Teamchefin besprochen, ging ich meinen häuslichen Pflichten nach und erledigte den wöchentlichen Einkauf. An der Kasse stehend, hörte ich nach einem entgangenen Anruf meine Mobilbox ab. Bei der hinterlassenen Nachricht musste ich zweimal hinhören: "Hallo, hier ist der Bernhard. Für mich schlecht, für Dich gut. Bei mir ist das Motorrad kaputt und ich bin schon wieder auf dem Heimweg von Hockenheim. Wenn Du Zeit und Lust hast, kannst Du gerne meinen Platz haben. Ist schon alles bezahlt, mit Versicherung und Box, ruf mich doch mal zurück!" Häääääää? Wie bitte? Womit habe ich das denn verdient? Sofort war die Verbindung zu Bernhard hergestellt und ich wurde in die weiteren Details eingewiesen. Wir verblieben so, dass ich das natürlich erst mit der Teamchefin abstimmen musste.
Mit Hundeblick und guten Argumenten bewaffnet, wurde Franzi vorgetragen. Auch wenn am Folgetag Muttertag war, benötigte ich überhaupt keine Überzeugungskünste. Wahnsinn, nach all den schwierigen Wochen, wurde ich scheinbar für meine Geduld belohnt, auch wenn es nicht immer sehr einfach war die ein oder andere Absage zu akzeptieren.
Morgens das Auto ausgeladen, durfte ich mich nun am Abend in freudiger Erwartung der Verladung des Moppeds samt Ausrüstung wieder widmen. Juhu!

In den frühen Morgenstunden rollte der Bus dann gen Hockenheim, schon wieder! ;-)
Mit zeitlichem Puffer versehen, wurde in aller Ruhe am Ring alles ausgepackt und die Box bezogen.
Nicht nur ich konnte es kaum abwarten bis zum ersten Turn, auch der aprilia war es beim "Warmlaufen" anzumerken, dass diese bei weitaus angenehmeren Temperaturen angreifen wollte.


Es hat einfach alles gepasst an diesem Tag
Meine Boxenkameraden Marvin und Kevin darf ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen. Zwei Brüder, die gemeinsam die Entscheidung getroffen haben Motorsport zu betreiben und nun mit identischem Material von Strecke zu Strecke ziehen. Finde ich wahrhaftig kühl! Und nicht nur, dass beide sich für die richtige Motorradmarke entschieden haben, sind sie sehr angenehme Zeitgenossen. In diesem Umfeld habe ich mich sehr wohl gefühlt.

Turn 1 verlief mit Rundenzeiten um die 1:55,xxx fast schon wie gewohnt. Turn 2 war da weitaus ereignisreicher. Gezogen von einer BMW gelang es mir eine nie für möglich gehaltene 1:52,8xx in den Aspahlt zu pflügen. Ungläubig wurden die Zeiten des Laptimers mit der Zeitmessung des Veranstalters abgeglichen. Tatsache, amtliche 1:52! Möglich dass ich mich an dieser Stelle wiederhole, ABER DAS WAR WIRKLICH NICHT ZU ERWARTEN! Und auch hier hatte ich wieder nicht das Gefühl völlig "out of control" unterwegs gewesen zu sein. Diese Tatsache führt mich dazu von da an mehr oder weniger auf die Euphoriebremse zu treten. Wollte ja nicht, dass das Ganze ein unschönes Ende nimmt.
Da nach Zwei die Zahl Drei folgt, blieb nicht viel Zeit für Freudestaumel. Turn 3 stand auf der Agenda. Dieser sollte für mich der Letzte an diesem Tag sein, schließlich wollte ich an diesem Tag auch noch für meine Mädels da sein.
Also nochmal raus, Spass haben, sitzen bleiben und nicht übertreiben. Mir schien es als ob ich in diesem Turn alleine unterwegs war, auf jeden Fall hatte ich so gut wie keinen Verkehr. Das musste genutzt werden.
Deshalb wie Cafe immer so schön sagt: "Ordentlich und früh Hahn spannen!"
Die in diesem Turn gefahrene 1:51,4xx bildeten einen perfekten Abschluss. Ein sensationeller Tag! Ich weiss nicht wie ich es noch anders formulieren soll.
Wo Licht ist, ist auch Schatten, dessen bin ich mir bewusst und da ich nur durch das Pech von Bernhard zu dieser Gelegenheit kam, ist ihm auch diese Rundenzeit gewidmet. Tausend Dank Bernhard!
Das wird noch mit mindestens mit einem "Gläsl Woi" begossen.

Mit einer starken positiven Trendwende versehen, blicke ich der eigenen Motorsportsaison 2012 sehr zuversichtlich entgegen. Die Handlungsfelder sind identifiziert und die weiteren Vorbereitungen für den RL-Cup laufen auf Hochtouren. Wir sind gespannt welche Überraschungen die Saison noch auf Lager hat...