Mittwoch, 15. August 2012

Sag zum Abschied leise "Tschüss"!

Nun war es also soweit!
Wie bereits angekündigt, wollten Klaus und ich das 6h-Rennen am 22.07. unter die Räder nehmen.
Hierzu traf ich mich am Vorabend des Rennens mit dem mir bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannten Klaus, seinem Filius und seiner Filia, um gemeinsam den notwendigen Papierkram zu erledigen.
Schnell war klar, dass wir menschlich auf einer Wellenlänge lagen. Damit war schon mal eine gute Grundlage geschaffen, um am Folgetag einen schönen und relaxten Tag auf der Rennstrecke zu verbringen.
Im Bewusstsein das Rennen zu zweit bestreiten zu müssen, war auch das gemeinsame Ziel schnell definiert. Spaß haben, nicht Stürzen/Umfallen (darauf gehe ich später näher ein) und auch nicht Letzter werden. 
Also alles wie gehabt! Sollte man zumindest meinen...

... und wie sich dann auch im Folgenden zeigen sollte, gab es dann doch den ein oder anderen Aufreger. 

Nach erfolgter Dokumenten- und der technischen Abnahme (von mir absofort Motorrad-Catwalk genannt),
wurde das Bett gerichtet. Dieses mal verzichtete ich auf den Luxus im Wohnwagen zu schlafen und ließ mich auf das "Abenteuer" im Bus zu schlafen ein. Man hat mir wohl meinen Hunger angesehen, denn freundlicherweise wurde ich vom Panigale Racing Team (ehemals Moto Mittrach Racing Team und ebenfalls in Box #17) zum Futtern eingeladen. 
Mal wieder typisch für mich:
Zuhause an alles fürs Fahren auf der Rennstrecke gedacht, aber das Essen habe ich vergessen.

Mit vollem Bauch und dank einer mollig warm machenden Standheizung ließ es sich dann auch gut schlafen.


Entgegen dem letzten Rennen am 08.07. küsste uns die Eifel am Tage des Rennens mit einem Sonnenschein wach. Kurzum, wir hatten Wetter für Kaiser und Könige!

Hier mal ein paar Impressionen von diesem sehr schönen Morgen:


Ja, so schön kann das Wetter am Nürburgring sein! :-)

Da auch an diesem Tag überall das Stroh an der Strecke lag wo es liegen sollte, konnte das Renngeschehen auch gemäß der Planung seinen Lauf nehmen. Demnach wurden in aller Ruhe die Vorbereitungen für die Prüf- und Einstellfahrten = freies Training vorgenommen und noch stressfrei einen Kaffee inhaliert.

Also raus und die ersten Runden zum Einrollen genutzt. Schon hier sah ich mich allerdings mit einem Problem konfrontiert, dass ich bisher so nie kannte und mich bis zur Hälfte des Rennens weiter vor Herausforderungen stellte. Allein in den ersten drei Rund war ich nicht in der Lage Ende Start/Zielgerade die aprilia ausreichend in ihrer Geschwindigkeit zu reduzieren, so dass ich immerwieder den Notausgang wählen musste. Nach drei Runden habe ich mich zumindest dieser Situation mit früheren Bremspunkten und einer Lernkurve eines Schimpansen angepasst, aber verstanden habe ich es nicht so wirklich. Im Glauben, dass das Bremsen eher zu meinen Stärken zählt, steuerte ich nach ca. 30 Minuten die Box etwas irritiert an.
Einen weiteren Versuch wollte ich dann während des Trainings dann nicht mehr starten, galt es doch in Erwartung eines langen Rennens mit den eigenen Kräften sparsam umzugehen. Mit der Absicht von Klaus an seinem Motorrad noch für das Rennen Veränderungen vornehmen zu wollen, einigten wir uns darauf, dass ich für uns in der Qualifikation unser Glück versuchen sollte.
Mit dem Messer zwischen den Zähnen ging es dann in den Kampf um den besten Startplatz, leider für mich nur sehr kurz. Bereits in der zweiten Runde und mit unveränderten Problemen auf de Bremse war ich gefühlt viel zu schnell für die Umkurvung Dunlop-Kehre, und hielt in der Hoffnung die Fuhre noch zum Stehen zum Bringen den eingeschlagenen Steuerkurs 12 Uhr. Selbst der Einsatz der blockierenden Hinterradbremse änderte nichts am Ergebnis wenige Meter später einen tiefen Graben ins Kiesbett zu ziehen und kurz vor dem Stehenbleiben umzufallen. Sau dämlich! Da lag ich nun. Da es erst die zweite Runde war, konnten wir zu diesem Zeitpunkt keine gezeitete Runde aufweisen was in letzter Konsequenz bedeutet hätte nicht an den Start gehen zu dürfen. Also, kurzes Abwägen der Möglichkeiten und den Entschluss getroffen zumindest samt Motorrad den Transponder in die Box zu fahren und an Klaus zu übergeben. Kurzer Blick aufs Motorrad (nachdem die Streckenposten Krad und Sportler aus dem Gefahrenbereich entfernt haben), schnelle Offroadeinlage durch das Kiesbett und schon befand ich mich wieder die Box ansteuernd auf dem asphaltierten Band. Dort angekommen hatte Klaus seine Veränderungsmaßnahmen abgeschlossen und konnte uns zumindest eine gewertet Runde rausfahren. Das war das erklärte Ziel und deshalb war es dann auch nicht weiter tragisch, dass wir dann von Startplatz 53 (54 Teams) ins Rennen starteten.
Auch die aprilia konnte nach ausgiebiger Begutachtung von Andi und Cafe ins Rennen gehen, da diese Entwarnung gaben und nichts bei diesem Umfaller in Mitleidenschaft gezogen wurde. Lediglich optische Schäden waren leider zu verzeichnen.
In großer Vorfreude das Feld von hinten aufrollen zu können, wurden alle Startvorbereitungen dann abgeschlossen und die Startposition eingenommen.

Auf mein vermeintliches "Bremsproblem" hatten wir aber bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Antwort. Dieses sollte auch unmittelbar nach dem Start bei mir für erhöhten Puls sorgen und ein Wiedersehen mit den Streckenposten in der Dunlop-Kehre ermöglichen.
Da Bilder manche Dinge einfach besser erklären, hier das Video zur Startphase des Rennens:


Mit dem Ende meines ersten Turns und der Übergabe an Klaus standen wir dann auf Platz 30. Im Zuge dieses "long runs" konnte dann auch mein Bremsenproblem eingegrenzt werden. Um eine gewisse Serienstreuung der Bremsbeläge ausschließen zu können, wechselte Cafe die Bremsbeläge und Andi nahm Veränderungen an Gabel und Federbein vor, da ich auch das Bremsenproblem in einem sehr unruhigen Heck begründet sah. Beide ergriffenen Maßnahmen erwiesen sich im weiteren Verlauf als goldrichtig. Von da an konnte sorgenfrei für den Rest des Rennens am Kabel gezogen werden.


Im weiteren Verlauf des Rennens pendelte sich dann unsere Platzierung irgendwo zwischen 35 und 45 ein und Klaus und ich kamen reichlich zum Fahren.
Aber mit zunehmender Renndauer fiel es mir deutlich schwerer aufs Motorrad auf- und abzusteigen. Auch hierbei halfen Andi und Cafe mit ganzem Körpereinsatz. Auf dem Motorrad sitzend waren dann sämtliche Schmerzen vergessen und im Fokus lag ausschließlich die Rennstrecke. In den Tagen danach waren dann die Schmerzen umso gefühlsechter. Klaus ging es wohl ähnlich. :-) Genug gejammert, wir wussten ja auf was wir uns einlassen.

Klaus im Race-Einsatz

Mit der Erfüllung der eigenen Vorgaben vor den Augen näherten wir uns in sehr unaufgeregter Art und Weise dem Rennende entgegen. Letztendlich wurden alle Ziele erfüllt. Zu zweit haben wir die 6 Stunden gemeister, kamen nicht als Letzte (Platz 41) ins Ziel und hatten reichlich Spass auf und neben Rennstrecke bei perfekten Bedingungen.



Cafe und Andi waren wie immer eine Bank und hatten einen wesentlichen Beitrag zur Beendigung der 6 Stunden geleistet. Vor allem schafften es beide im letzten Drittel des Rennens trotz zunehmender Schmerzen und einem völlig verschlissenen Hinterrad meine Motivation entsprechend hoch zu halten. Andi´s Rennschnecken waren daran ebenfalls beteiligt.

Mal wieder keine Chance abzunehmen! :-)
1. Große Veränderung:
Was ich an diesem Tag noch nicht wusste, war der Umstand, dass es völlig ungeplant mein letztes Rennen mit der aprilia war. Wohl auch deshalb ist an diesem Tag mein absolutes Lieblingsbild mit der aprilia entstanden.


Ziemlich zeitnah nach dem Verkauf der aprilia konnte mit Betti ein neues Sportgerät für den Rest der Saison erworben werden. Betti wird zu einem späteren Zeitpunkt intensiver in diesem Rahmen vorgestellt.

Das ist die Basis für die nächsten Rennen:

Betti
2. Große Veränderung:
Leider ist es dem Team SPECKtakuläre Heizer aus den unterschiedlichsten Gründen nicht möglich in der originären Besetzung die restlichen Rennen zu bestreiten. Bedingt durch den Sturz von Thomas im Panigale Racing Team, ermöglicht es zumindest mir, wenn auch für ein anderes Team, mit Ralf und Hagen die Saison bis zum Ende zu bestreiten. Cafe und Andi haben mir auch weiterhin ihre Unterstützung zugesagt, wofür ich sehr dankbar bin.
An dieser Stelle möchte ich es nicht versäumen, Thomas gute und schnelle Genesung zu wünschen. Ich hoffe, ihn würdig vertreten zu können.

Selbstredend trotz nicht unerheblicher Veränderungen werde ich weiterhin von den Rennen und dem weiteren Verlauf der eigenen Motorsportsaison berichten.

Somit ist der Fokus nun auf das nächste Rennen am 26.08.2012 und somit auf die Mission "Pokal" gerichtet.