Sonntag, 5. Oktober 2014

8h - und ein schönes Saisonende

Wenn man mal eine Phase hat, in der kreativ gar nix geht, springen die Freunde glücklicherweise ein. Zugegeben, in den letzten Monaten war es sehr ruhig hier, das soll sich nun aber ändern.
Um die Saison 2014 aufzuarbeiten, beginnen wir mit dem letzten Rennen. Wir, das sind zukünftig mein sehr guter Freund und Rennstrecken-Buddy Andi und ich. Die folgenden Zeilen wurden deshalb auch von Andi geschrieben und wie ich finde sind diese kurzweilig  und äußerst unterhaltsam.
Aber lest selbst:




Ein Hesse, ein Pfälzer und ein Saarländer… was wie fast jeder gute Witz beginnt ist die die Besetzung des XERXES Racing Team (X.R.T.) für das 8h Abschlussrennen des Reinoldus Langstrecken-Cup 2014 (www.rl-cup.de).
Zum diesjährigen Abschluss des RL-Cup hat sich die Organisation des Dortmunder Motorsport Club etwas besonderes einfallen lassen, statt der üblichen und geschätzten 6h Rennen am Sonntag fand in diesem Jahr ein 8h Rennen an einem Samstag statt. Dies locke neben dem regulären Startfeld zusätzlich viele starke Teilnehmer an. Kurz vor Meldeschluss war die Maximal-Teilnehmerzahl von 73 Teams erreicht. Ein Wahnsinns-Teilnehmerfeld gab ich in der Startaufstellung die Ehre.

Aber erst einmal der Reihe nach.
Nachdem wir uns bereits am Freitag Abend alle zusammen gefunden hatten, die Box bezogen, die technische Abnahme vollzogen und die Reifen mit heißen Socken bestückt hatten, ging es nach einem anschließenden kurzen Team-Umtrunk ins Bett, um fit zu sein für den nächsten Tag.

Miep miep miep… der Wecker sagt 06:45 Uhr…. Für 08:00 Uhr ist das erste Training angesetzt, zeit zum aufstehen und der Nürburgring begrüßt uns mit dem was er neben atemberaubenden Rennen am besten kann. Usselig, kalt und nass sein. Ich wäre am liebsten liegen geblieben aber da ein freundliches Teammitglied die Kabeltrommel unter Wasser setze und somit der Heizlüfter zum Schweigen gebracht wurde, blieb mir nichts anders übrig als mäßig gut gelaunt aus dem Schlafsack zu krabbeln.
Guten morgen Nürburgring! Das Fahrerlager erstreckte sich endlos, man konnte weder bis zum einen, noch zum anderen Ende sehen, dem Nebel sei dank.


So ähnlich verlief dann auch das freie Training, das zeitgleich als Quali diente. Nach kurzer Team Besprechung bei heißem Kaffee haben wir beschlossen gemeinsam nichts zu riskieren. Für später war besseres Wetter vorhergesagt. Deshalb absolvierten wir nur eine einzige, verhaltene Wertungsrunde, um uns zu qualifizieren. Da man ein Langstreckenrennen weder in der ersten Runde, noch in der ersten Stunde gewinnen kann, brachte uns auch der 70. Startplatz nicht aus der Ruhe.
Ein kurzer Blick in die Zeitentabelle zeigte aber schnell, andere Teams gingen auch auf Nummer sicher.


Anschließend wurde der auf 10:00 Uhr angesetzte Start seitens der Organisation, wegen immer dichter werdenden Nebels verschoben, was absolut richtig war.
So ist das halt beim Outdoorsport.
Leider verkürzte sich dadurch auch die Gesamtlänge des Rennens da die Ziel-Zeit um 18:00 Uhr felsenfest stand.

10:30 Uhr, der Nebel war fast vollständig  verzogen, die Strecke fast trocken, die Boxengasse öffnete zum Vorstart.
Das ein oder andere Team brachte zwar ein paar Kg Kies mit in die Startaufstellung, der von den Helfern erst aus der Verkleidung geschaufelt werden musste aber um 10:45 waren alle bereit. Let's Race!

Sagenhafter Anblick!
73 Bikes plus deren Jockeys die nach dem Start auf die erste kurve, auf einer noch immer nicht ganz trockenen Strecke, zu stürmten ist ein Bild, das sieht man nicht alle Tage. Wir wollten es ruhig angehen lassen. Markus, unser Saarländer, fuhr als besonnenster im Team folgerichtig den Start auf seiner ZX10r und machte seine Sache außerordentlich gut. Ohne Probleme absolvierte er seinen ersten Turn und  machte reichlich Plätze gut. Am Ende seines ersten Turns übergab er nach über 50 min an Rüdiger, die Pfälzer Heißdüse,
Da an diesem Tag das Transponder Wechseln etwas länger dauerte, da sich einige Teams über die Befestigungsmethoden anderer Teams (Transponderhalter vs. Klettband) offiziell beschwerten  und einen unlauteren Wettbewerbsvorteil galaktischen Ausmaßes sahen, dauerte der Transponderwechsel mit Transponderhalter in diesem Rennen ungewöhnlich lange. Die Zeit nutze Markus perfekt und gab Rüdiger während des Stopps noch 2-3 Tipps zu Gefahrenstellen auf der Strecke mit.


Rüdiger spulte seinen Turn gewohnt schnell und zuverlässig ab und übergab weiter an Marc, der völlig schmerzfrei seine erst 3 km alte Kawasaki ZX10R aus der Boxengasse schoss.  Frei nach dem Motto, aus der Kiste, auf die Piste!


Turn um Turn vergingen ohne unplanmäßige Zwischenfälle für unser Team. Die Boxenmannschaft und vor allem das Team an der Boxenmauer rund um Patrick und Michael arbeiten gewohnt sehr schnell, aufmerksam und zuverlässig. Die Fahrer lieferten konstant schnelle und gleichmäßige Runden. Das XERXES Racing Team arbeitete sich Position um Position nach vorne und war bei Rennhalbzeit auf einer 32. Position angekommen.

Ca. 2 Stunden vor Schluss witterten wir unsere Chance auf ein Ergebnis in den Top 20. Die Boxenstrategie schien nahezu perfekt zu passen und die Rundenzeiten bewegten sich weiterhin zwischen 2:11 und 2:13. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch den 25. Platz inne aber die Teams direkt vor uns konnten die Zeiten nicht mehr konstant mit gehen uns so holten wir Sekunde um Sekunde auf. Die Spannung stieg. Markus der seinen 3. und letzten Turn erfolgreich hinter sich brachte übergab an Rüdiger… noch 1:30h bis ins Ziel. Rüdiger holte auf seiner S1000rr weiter auf und holte aus sich alles heraus. Wir hatten flexibles Fenster von ca. 10 Min für den Boxenstopp. Rüdigers Rundenzeiten beobachtete das Boxenteam genau um bei einbrechenden Zeiten direkt reagieren zu können. Nun war die Spannung am Höhepunkt und unser Ziel war Platz 20!
Ca. 50 min vor Schluss ließen Rüdigers Zeiten minimal nach aber wir waren im Fenster und das Team beschloss Rüdiger rein zu holen. Völlig im Tunnel übersah er anscheinend das erste Signal, reagierte erst auf das zweite und sollte dann eigentlich noch eine Runde vervollständigen um in der nächsten in die Box zu kommen. Marc war bereit für seinen letzten Turn und hatte den Murmelschoner bereits auf. Rüdiger tauchte aber plötzlich schon in der direkt nächsten Runde am Ende der Boxengasse auf, Blitzschnell reagierte das Team, schob Marc aus der box und schickte ihn ab ins Rennen.
Rüdigers Schaltgestänge hatte ich gelöst und stellte im Abschnitt Hatzenbach den Dienst ein. Glück im Unglück. Wir hatten nur wenige Sekunden verloren und Marc hetzte dem Feld wieder hinterher.
Marc gab alles und fuhr in seinem letzten Turn noch seine sowohl persönlich schnellste, als auch die schnellste Runde des ganzen Teams. 2 Runden vor Schluss schob er sich vor das zu diesem Zeitpunkt auf Platz 20 platzierte Team. Geschafft!! Nun nur noch ins Ziel...
Auch das Gelang und alle im Team waren mit der Leistung sehr glücklich uns zufrieden.
Bei diesem starken Teilnehmerfeld den das 8h Rennen anzog hätten wir nicht unbedingt mit einem Platz unter den Top 20 gerechnet.

Das traditionelle  Finisher-Bier beim RL-Cup ließen sich alle Fahrer und Team-Member schmecken. Das gesagte Team war hocherfreut über die sehr gute und konstante Leistung an diesem Tag.
Vor allem konnten wir wieder sehen das zu einem erfolgreichen Langstreckenrennen nicht nur mit Marc, Rüdiger und Markus 3 schnelle Fahrer sondern auch ein gutes und eingespieltes Team rund um Michael, Patrick, Sascha, Wolfgang und Andi braucht.


Zudem ist temporäre Unterstützung wie an diesem Tag durch Jürgen und Julia immer willkommen.

Darauf wollen wir 2015 weiter aufbauen… ein Hesse, ein Pfälzer und ein Saarländer...


Ein geiles Team