Dienstag, 21. April 2015

Ich hatte doch keine Ahnung!

"Ich hatte doch keine Ahnung!" von dieser Aussage geleitet, möchte ich meine Erlebnisse zum 1. Lauf des Metzeler Reinoldus Langstrecken Cup am 18.04.2015 wiedergeben.

Ich hatte doch keine Ahnung, wie chaotisch und frustrierend die Vorbereitung auf dieses Rennen verlaufen sollte. Angefangen hat für mich alles mit dem Sturz von Jürgen bei den 1000km von Hockenheim. Das Bauchgefühl sagte mir schon da: "Schau dich nach einem Ersatzfahrer um!"
Nein, nicht schon wieder! Nein, nicht wieder so kurzfristig. Nicht zwei Wochen vor dem ersten Cup-Lauf. Das darf doch nicht wahr sein!
Wie im vorherigen Post schon geschrieben, war mit Philipp Gengelbach glücklicherweise schnell ein Ersatzfahrer gefunden. Also ein Problem weniger. Aber dazu im Folgenden mehr, weil auch da trifft es zu, dass ich doch keine Ahnung hatte.
Können wir also einen Haken hinter die Fahrer-Frage setzen. Dieser konnte bei unseren Einsatzgeräten, genauer gesagt Käthe, nicht gesetzt werden. Selbst 24h vor Rennbeginn war meine BMW in einem nicht rennfähigen Zustand. Woran lag es also? Im Bestreben alle Moppeds des Teams optisch einheitlich zu gestalten, sollten auch auch alle Verkleidungen identisch lackiert werden. Leider gab es beim Lackierer Friktionen in der zeitgerechten Fertigstellung, so dass meine Verkleidung mit gerade so getrocknetem Lack in einer Nacht- und Nebelaktion im 200km entfernten Wächtersbach abgeholt wurde. Allerdings musste diese Strecke innerhalb von zehn Stunden aus anderen Gründen noch einmal bewältigt werden, so dass ich völlig übermüdet zu später Stund` Sachen gepackt und das Motorrad fertiggestellt habe. Letzteres hat mich alle verfügbaren Nerven gekostet. Keine Frage, als Schrauber-Gott bin ich nun wahrlich nicht auf die Welt gekommen, aber in der Nacht vor der Anreise klappten selbst die einfachsten Dinge nicht mehr. Käthe war in dieser Nacht kurz davor als verbrannter Haufen aus Alu, Stahl und Kunststoff ihr Zeitliches zu segnen und nie wieder das Tageslicht zu sehen, so verzweifelt war ich. Einzig das Wort dem Team und meinen Mitstreitern gegenüber hat dazu geführt nicht aufzugeben und einen diabolischen Tanz um eine brennende BMW S1000 RR durzuführen.

Zum Rennen selbst, fällt mir auch nur ein, dass ich doch keine Ahnung hatte.  Im Glauben auch da das "Glücksschwein" zu reiten, ging ich mit äußerst bodenständiger Erwartungshaltung an die sechs Stunden ran. Aber wenn man mal nen persönlichen Run hat, dann läuft es. Für den in Ironie ungeübten Leser gibt es hier sicherheitshalber nochmal den Hinweis, dass es sich unverändert um planke Ironie handelt. So zickte Käthe im Training, im Qualifying und natürlich auch im Rennen mit einer elektronischen Fehlermeldung rum. Dass aber die eigene Unerfahrenheit und Unwissenheit über das Einsatzgerät der problembehaftete Grund war, kam mir zu dieser Zeit nicht in den Sinn. Und man kann es sich schon denken, auch hier hatte ich doch einfach keine Ahnung!

Und dass an diesem Tag DIE positive Trendwende noch kommen sollte, war nicht vorhersehbar, nicht bevor Philipp sich aufs Motorrad setzte.
Da sagte mir dieser 22-jährige seine Teilnahme zu und vergaß dabei mitzuteilen, dass er ein außerordentliches Ausnahmetalent ist, Aber der Reihe nach. Für die Saison 2015 war und ist vieles neu im XERXES Racing Team (X.R.T). Neben neuen Helfern gibt es mit Michael und seiner flammneuen R1 eine sehr wesentliche Veränderung/Ergänzung im Team. Die Iserlohner Frohnatur sorgte mit Helfer Andre trotz der bescheidenen Vorbereitung stets für gute Laune am Vorabend und ließ somit all den Frust im Vorfeld erstmal vergessen.
Irgendwann am Vorabend zum Rennen, traf dann auch ein völlig tiefenentspannter Philipp samt Papa Micha und Freund Max ein. Schnell wurde das übliche Prozedere vollzogen und man lernte sich kennen soweit es die verbleibende Zeit am späten Abend noch zuließ.

Zeitsprung!

Wie üblich stand am Folgetag das große Happening bevor. Und um es nicht spannender zu machen als nötig, ließ Philipp bereits im Qulifying ordentlich die Kuh fliegen. Konkret gesprochen: Das XERXES Racing Team (X.R.T) stand nach Abschluss des Zeittrainings mit einer Rundenzeit von 2:05,XXX auf Startplatz 1!
Immer wieder sehr beeindruckend! Endurance rocks!
Wirklich kommentieren muss ich dies nicht. Zumal das ein absolutes Novum für das Team war und zum anderen hatte das keiner auf der Rechnung (außer wahrscheinlich Philipp selbst).
Verdienter Lohn! 
Philipp fuhr folgerichtig auch den Start fürs Team. Er kam super weg und konnte zwischen sich und die Verfolger bis zu Runde fünf einen mehr als respektablen Vorsprung rausfahren.
Auf auf und davon!
Bis dahin war das richtig geiler Budenzauber aus dem Lehrbuch. Dann passierte leider ein kleines Missgeschick, Philipp musste durch das Kiesbett und fand sich auf Platz 19 wieder. Shit happens! Also wieder angreifen, aufholen und nicht aufgeben. Ein Leitgedanke den Philipp, Michael und ich beherzigten und so wurde aus der One-Man-Show eine grundsolide Teamleistung.

Schon jetzt ein starkes Paar - Micha und seine neue R1
Micha gibt alles!
Damit waren aber nicht nur die Fahrer gemeint, sondern auch die Helfer in der Box trugen mit nahezu perfekten Wechseln und bestens vorbereiteten Motorrädern ihren Teil dazu bei. Großer Dank ans Team!
Hard working crew! Danke an ALLE Helfer!
Wir schafften es also innerhalb der sechs Stunden wieder auf Platz vier in der Gesamtwertung vorzufahren und bis zum Ende nicht wieder herzugeben.
zufriedene Gesichter
13 Meisterschaftspunkte, mit denen ich sowohl bei normalen Verhältnissen als auch bei dem Mist im Vorfeld nie gerechnet hätte. Weil ich ja keine Ahnung hatte.

Alle, wirklich alle waren mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. Ein Tag mit solcher Vorgeschichte, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Dass dies nicht eintritt, dafür hat unser in der Box 17 befreundetes Team RL2 Endurance Racing Team mit diesem Video gesorgt, welches ich Euch nicht vorenthalten möchte.
Fasst es doch die Besonderheit von Langstreckenrennen treffend zusammen.


Zu erwähnen ist noch, dass wir dieses Jahr erstmalig mit Bridgestone VO2 Slicks in das Feld der Ehre gezogen sind. Vorgeheizt mit HSR-Reifenwärmern  hat uns der Reifen mit hohem Gripniveau und beeindruckender Langlebigkeit von der ersten Runde an überzeugt.

Abschließend noch eine Sache, welche mir wirklich eine Herzensangelegenheit ist.
Philipp aka Fiep #14 muss an dieser Stelle nochmals erwähnt werden. Dieses Jahr bestreitet er seine erste Saison IDM Superstock und wird da den Unwissenden zeigen wo der Frosch die Locken hat. Da bin ich mir ziemlich sicher. Und nicht nur weil er ein pfeilschneller, teamorientierter und talentierter junger Kerl ist, sondern weil er gute Erziehung, Humor und das Herz an der richtigen Stelle hat, verdient er Forderung und Förderung. Also, wer auch immer das da draußen liest und entsprechende Mittel und Möglichkeiten hat, sollte ernsthaft über eine Unterstützung dieses hoffnungsvollen Nachwuchsfahrer nachdenken. Er wird Euch nicht enttäuschen.
"young gun"
Das nächste Rennen ist nun am 21.06.2015. Jetzt nutzen wir im Team noch die verbleibende Zeit Verbesserungspotenzial zu identifizieren und die lessons identified in lessons learned umzuwandeln. Untätig werden wir auf jeden Fall nicht sein. Wollen wir doch wieder angreifen, so viel ist sicher.

Wie es ausgeht? Ich kann es Euch nicht sagen, ich habe keine Ahnung! ;-)




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